Google+
Kirchner + Robrecht
Neue Märkte für Fachmedien

Der Markt für Fort- und Weiterbildung weist ein stattliches Volumen auf. Aber es ist ein Markt voller Tücken, ein Markt in dem sich für Fachmedien Chancen und Risiken auftun.

Diva, die: jemand, der durch besondere Empfindlichkeit, durch exzentrische Allüren o.Ä. auffällt (Quelle: Duden).


Ist es fair, den Markt für berufliche Weiterbildung als die Diva unter den Märkten für Fachwissen zu bezeichnen? Heftige Reaktionen auf wirtschaftliche Schwächephasen, Stornoquoten von bis zu über fünfzig Prozent im Seminargeschäft und weder abseh- noch erklärbare Schwankungen der Teilnehmerzahlen von Konferenzen, Zertifikatskursen oder gar Studiengängen sprechen dafür. Dagegen spricht: Die beständige Zunahme von Angeboten – Diven sind selten, sonst fielen sie nicht aus dem Rahmen! Dagegen spricht auch: Die große Anzahl an subventionierten und querfinanzierten Angeboten – eine echte Diva hat ihren Stolz! Und vor allem: Der steigende Qualifizierungsbedarf – müsste hier nicht ein stetiges Geschäft zu machen sein? Zumal Berufstätige immer weniger des Wissens im Kopf haben, das sie zur Ausführung ihrer Tätigkeit benötigen (siehe Grafik).

Liegt hier nicht die große Chance von Fachinformationsanbietern, diese Lücke mit Fach- und Lerninhalten zu schließen? Ja! Aber: Es ist ein facettenreicher Markt mit vielen klassischen Angebotsformen und noch vielfältigeren Onlineangeboten. Und dass eine weitere Transformation erfolgen wird, erscheint sicher, weisen doch klassische Angebote einen geringen Wirkungsgrad auf. Bis zu neunzig Prozent des in Seminaren Gelernten verpufft wirkungslos, fast achtzig Prozent aller Seminarteilnehmer gelingt es nicht, gelernte Inhalte in ihren Arbeitsalltag zu integrieren. „Nicht so schlimm, viele sehen es als Incentive“, mögen Sie nun denken. Leider verliert dies in Zeiten steigender Arbeitsverdichtung und voller E-Mail-Eingänge immer mehr seinen Reiz.

Und so machen sich fortschrittliche Unternehmen daran, ihre Weiterbildungskonzepte zu überdenken. Zum Beispiel entlang der „70-20-10-Regel“. Hiernach werden siebzig Prozent der Lernerfolge bei der Ausführung anspruchsvoller Aufgaben, zwanzig Prozent im Rahmen von fördernden Arbeitsbeziehungen und zehn Prozent in Schulungen und Trainings erzielt. Was bedeutet das für Fachmedienhäuser?

Hin zu! Wo sich Chancen auftun.

Digitales Lernen bietet einige Vorteile: Neue Formen des Lernens können realisiert, Lernen kann stärker individualisiert werden. Es kann besser in den Arbeitsprozess, aber auch den Alltag des Lernenden eingebunden werden – zum Beispiel mit „Snack-Size-Lerneinheiten“, die auf Basis von Suchanfragen des Nutzers konfektioniert und mobil genutzt werden. Und es bieten sich neue Möglichkeiten, den Lernerfolg zu repetieren, Feedback zu geben oder zu controllen. Eine begleitende Kommunikation über digitale Plattformen erlaubt zudem den direkten Austausch zwischen den Lernenden und die Umsetzung von „Social Learning“-Ansätzen. So können Lernende stärker voneinander lernen und eigenverantwortlich entscheiden, welche Inhalte und welche Informationen sie wann benötigen. Es wird nicht nur das aufgaben- und austauschbezogene Lernen gestärkt – auch die Entwicklung hin zu agilen Organisationen und einer stärkeren Eigenverantwortung wird unterstützt.


Aus Anbietersicht betrachtet, gibt es erstmalig die Chance aus einem hoch volatilen Geschäft ein Abonnement-Geschäft zu kreieren. Jedoch sind hierfür einige Voraussetzungen zu schaffen. Fachinformationsanbieter müssen ihre Inhalte nicht nur als „Minimum Information Unit“, sondern als „Minimum Intelligence Unit“ begreifen und Inhalte zu Lerninhalten weiterentwickeln. Dies erfordert den Aufbau neuer Kompetenzen, zum Beispiel um gute Lernkonzepte, Storyboards und Lerninhalte entwickeln zu können. Auch ist Kooperationsfähigkeit gefragt – mit Technologiepartnern, um den Kunden exzellente Lern-Management-Systeme, Social-Learning-Suites und weitere Tools zur Verfügung zu stellen. Aber auch mit weiteren Partnern, um mit einem attraktiven, branchen- und berufsbezogenen Inhalteangebot zu punkten. Und schließlich müssen Geschäftsmodelle entwickelt werden, die wiederkehrende Erlöse ermöglichen. Also „Learning as a Service“-Angebote, die aus technischer Plattform und für die Zielgruppen maßgeschneiderten Lernangeboten bestehen können.

Wem dies zu weit geht, der kann die oben aufgeführten Grundgedanken ganz klassisch mit Printangeboten verproben. Zum Beispiel in Form von „15-Minuten-für“-Paketen zur Unterweisung von Mitarbeitern im Betrieb. Hauptsache nah am Kunden, einfach am Arbeitsplatz einsetzbar, geeignet aufbereitet und für den Kunden zielführend! 

Weg von! Was man vielleicht lieber lassen sollte.

Wer in das Geschäft der betrieblichen Weiterbildung investieren möchte, sollte sich hüten vor:

  • Klassischen Angeboten in volatilen Segmenten wie zum Beispiel Seminaren – häufig können sich nur sehr wenige Themen dauerhaft einer hohen Stornoquote und stark schwankenden Teilnehmerzahlen entziehen
  • Klassischen Angeboten in stark mit subventionierten oder querfinanzierten Angeboten besetzten Segmenten – häufig erlauben die erzielbaren Preise keine angemessenen Renditen
  • Angeboten in dynamischen Themengebieten, die nur in Zusammenarbeit mit wenig dynamischen Partnern wie staatlichen Hochschulen durchführbar sind – das Risiko, den Anschluss zu verpassen, ist schlicht zu hoch

Fazit: Die Diva Weiterbildung ist sehr lebendig. Wer in ihre digitale Transformation investiert, eröffnet sich langfristig Chancen auf ein stabiles Geschäft, geht aber auch ein hohes Risiko ein, da entsprechende Lösungen noch nicht am Markt etabliert sind. Wer aber nicht investiert, bietet neuen Playern eine offene Flanke im Zugang zu seinen Zielgruppen.



Autor: Dr. Marco Olavarria

Der direkte Weg für Ihre Projektanfrage

Peter Kirchner
Tel. +49. 6023. 943 53 18
peter.kirchner@kirchner-robrecht.de
Dr. Marco Olavarria
Tel. +49. 30. 88 03 39 422
marco.olavarria@kirchner-robrecht.de

News

Jahrestagung der Gesellschaft für Informatik 25.-29.9.2017 in Chemnitz | Workshop "Digitaler Journalismus": Unter dem Motto "Digitale Kulturen" steht die 47. Jahrestagung der Gesellschaft für Informatik. Peter Kirchner ist im Rahmen der Veranstaltung Organisator des Workshops "Digitaler Journalismus". In dessen Mittepunkt stehen technische und organisatorische Verfahren, mit denen die Informatik zu einer möglichst qualitativen und authentischen Berichterstattung in Wort und Bild beitragen kann. Mehr zur Veranstaltung...

Handelsblatt Fachmedien "Workshop Organisationsdesign - Mit innovativen Strukturen zum agilen Unternehmen" am 27.9.2017 in Berlin: Das beharrliche Festhalten an alten Strukturen ist eine der größten Hürden im Change Management und bei der digitalen Transformation. Dabei sind Strukturen und Organigramme wichtigste Taktgeber für die Agilität und Performance eines Unternehmens. Wie muss man sich intern aufstellen, um schnell und flexibel auf neue Rahmenbedingungen reagieren zu können? Welche Modelle passen zum eigenen Unternehmen? Wie ersetzt man starre Hierarchien durch agile Zusammenarbeit und Eigenverantwortung? In diesem Workshop mit Dr. Marco Olavarria lernen Sie Schritt für Schritt, wie Sie die Organisationsstruktur Ihres Unternehmens optimieren. Weitere Infos mit Anmeldemöglichkeit…

Frankfurter Buchmesse vom 11.-15.10.2017: Melden Sie sich für eine Session des Business Club: Ask the expert mit Sabine Schubert an. Sie können ihr zum Thema “Selecting IT Systems Carefully and Reducing Risks During Implementation” 15 Minuten lang Ihre Fragen stellen. WANN: 12.10.2017 in der Zeit von 16:00 - 17:30 Uhr. Zur Anmeldung auf der Seite der Frankfurter Buchmesse...

Seminar „Digital Change Management - Den digitalen Wandel kompetent managen” vom 6.-7.11.2017 in München: Erfahren Sie in diesem Seminar, welche konkreten Maßnahmen Sie ergreifen können, um bestehende Verlags- und Redaktionsorganisationen an die Anforderungen der digitalen Transformation anzupassen. Diese hat in vielen Medienhäusern Veränderungsprozesse angestoßen, die fast alle Geschäftsbereiche berühren. Die Veränderung daran erweist sich in der Praxis oft als große Herausforderung. Denn häufig fehlt ein tragfähiges Konzept, um die eigene Organisation und ihre Geschäftsbereiche nachhaltig zu entwickeln und die Umsätze im digitalen Geschäft im gewünschten Maß tatsächlich zu steigern. Das Seminar wird von der Akademie der Deutschen Medien veranstaltet und geleitet von Dr. Marco Olavarria. Zur Veranstalterseite mit Anmeldemöglichkeit...

Handelsblatt Fachmedien "Workshop Agile Prozessoptimierung" am 5.12.2017 in Berlin: Sie wollen Prozesse in Ihrem Unternehmen schnell, einfach und wirkungsvoll optimieren? Dann verzichten Sie auf aufwändige Analysen und Dokumentationen. Mit der Agilen Prozessoptimierung entdecken Sie im Team nutzbringende Verbesserungsansätze, gestalten direkt neue Wege und setzen diese gemeinsam um. Das WIE lernen Sie in diesem Workshop mit Dr. Marco Olavarria. Zur Veranstalterseite mit Anmeldemöglichkeit...

Kontakt

Kirchner + Robrecht GmbH
Tel.: +49. 30. 88 03 39 4-0
info@kirchner-robrecht.de